Mehr Haar durch Stammzellen

Die Stammzellen der Haarfollikel sind langlebige, normalerweise ruhende Zellen, die in den Haarfollikeln vorhanden sind und normalerweise über die gesamte Lebenszeit eines Individuums hinweg auf bestimmte Reize hin in der Lage sind, Haare zu produzieren. Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus den USA hat nun eine Substanz gefunden, mit der das Haarwachstum über eine Aktivierung dieser Stammzellen angeregt wird.

Die Forscher haben Stammzellen der Haarfollikel bei der Maus untersucht und herausgefunden, dass ein bestimmtes Enzym, die Laktat-Dehydrogenase, für die Aktivierung der Haar-Stammzellen eine besondere Rolle spielt. Laktat-Dehydrogenase katalysiert die Bildung von Laktat, also der Milchsäure, aus Pyruvat und NADH. Diese chemische Reaktion ist Bestandteil der Milchsäuregärung, die in allen Körperzellen abläuft und bei der Energie ohne Sauerstoffverbrauch gewonnen wird.

Die Stammzellen der Haarfollikel können viel mehr Milchsäure produzieren als andere Zellen der Haut. Durch eine Hemmung des Enzyms Laktat-Dehydrogenase konnten die Wissenschaftler die Milchsäureproduktion in den Stammzellen reduzieren und sie damit inaktivieren. In einer Reihe weiterer Experimente haben die Forscher gezeigt, dass die Stammzellen durch eine genetisch vermittelte Anregung der Produktion von Milchsäure in den Follikelzellen aktiviert werden, wodurch das Haarwachstum in Gang gebracht wird. Außerdem entwickelten sie zwei Substanzen, die als kleine Moleküle die Produktion der Milchsäure in den Stammzellen der Haarfollikel anregen und durch örtliche Anwendung auf der Haut den Prozess des Haarwachstums in Gang bringen (1).

Expertenkommentar:

Diese Aufsehen erregenden Untersuchungen zeigen, dass die Stammzellen der Haarfollikel in einem Stoffwechselzustand sind, der es ihnen erlaubt, auf entsprechende Reize rasch anzusprechen und in einen Wachstumszyklus einzutreten. Diese Forschungsergebnisse sind ein entscheidender Schritt bei der Entwicklung von entsprechenden Medikamenten für die Anwendung bei Menschen mit Haarverlust. Die von den Wissenschaftlern entwickelten Substanzen können nun beim Menschen getestet und z.B. als Tinktur auf der Kopfhaut aufgetragen werden. Dies wäre eine Methode, die sehr viel einfacher und für viel mehr Menschen verfügbar wäre als eine Haar-Transplantation.